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EuGH-Urteil stärkt Rückforderungsrechte bei illegalen Online-Wetten

Tina Schmitt · Jun 21, 2026

EuGH-Urteil stärkt Rückforderungsrechte bei illegalen Online-Wetten

EuGH-Gebäude mit Flaggen der Mitgliedstaaten im Hintergrund

Das Gericht der Europäischen Union hat mit seinem Urteil in der Rechtssache C-440/23 klargestellt dass Online-Spieler in Deutschland und potenziell weiteren EU-Staaten unlizenzierte Betreiber auf Erstattung von Verlusten verklagen können sofern das jeweilige Glücksspiel zum Zeitpunkt der Teilnahme nach nationalem Recht untersagt war, auch wenn sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen später verändert haben. Die Entscheidung knüpft an frühere deutsche Verfahren an und präzisiert die Voraussetzungen für Verbraucherschutz sowie Restitutionsansprüche im Kontext des sich wandelnden deutschen Glücksspielrechts.

Hintergründe der Entscheidung und nationale Vorläufer

Das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof bezog sich auf einen Sachverhalt in dem ein Spieler Verluste aus Online-Wetten geltend machte die zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland ohne erforderliche Lizenz angeboten wurden. Das Gericht stellte fest dass die nationalen Verbote wirksam blieben und Betreiber ohne Zulassung haftbar gemacht werden können selbst wenn spätere Liberalisierungen stattfanden. Bereits im Januar 2026 hatte das Oberlandesgericht Köln in einem vergleichbaren Fall den Wettanbieter Tipico zur Rückzahlung von 25.600 Euro verurteilt und damit einen Präzedenzfall geschaffen der nun durch die europäische Instanz bestätigt wird.

Beobachter verweisen darauf dass die EuGH-Entscheidung die Durchsetzung bestehender Verbote erleichtert während sie zugleich die Rechtslage für grenzüberschreitende Angebote konkretisiert. Die Richter betonten dass Verbraucherrechte aus der Zeit der Illegalität nicht durch nachträgliche Regelungsänderungen entwertet werden dürfen.

Auswirkungen auf deutsche Spieler und Betreiber

In Deutschland eröffnet das Urteil betroffenen Personen die Möglichkeit bestehende Verträge mit unlizenzierten Anbietern zivilrechtlich anzufechten und gezahlte Beträge zurückzufordern. Experten weisen darauf hin dass diese Möglichkeit unabhängig von der aktuellen Lizenzsituation des Anbieters besteht sofern die Handlungen zum Zeitpunkt der Wette gegen geltendes Recht verstießen. Die Bundesländer setzen den Glücksspielstaatsvertrag 2021 unterschiedlich um wodurch regionale Unterschiede bei der Lizenzvergabe und Aufsicht bestehen bleiben.

Richterliche Verhandlungssituation mit Dokumenten und Laptop

Zugleich müssen Betreiber ohne deutsche Erlaubnis mit vermehrten Schadensersatzklagen rechnen. Das Urteil stellt klar dass bloße Änderungen der nationalen Gesetzeslage keine rückwirkende Legalisierung früherer illegaler Angebote bewirken. Statistiken aus dem ersten Quartal 2026 zeigen dass das Steueraufkommen aus reguliertem Glücksspiel bei 632,3 Millionen Euro lag was auf eine anhaltende Bedeutung des illegalen Marktes hindeutet.

Potenzielle Ausstrahlungswirkung auf andere EU-Staaten

Obwohl der Fall aus Deutschland stammt kann die Begründung des EuGH auch in weiteren Mitgliedstaaten mit vergleichbaren nationalen Verbotsregelungen herangezogen werden. Das Gericht betonte den Vorrang des zum Tatzeitpunkt geltenden Rechts und stärkte damit die Position von Verbrauchern gegenüber grenzüberschreitend tätigen Anbietern. Nationale Gerichte in anderen Ländern werden künftig prüfen müssen ob ähnliche Restitutionsansprüche mit Unionsrecht vereinbar sind.

Das Urteil verweist ausdrücklich auf den Judgment of the Court in Case C-440/23 und hebt hervor dass Verbraucherschutzbestimmungen der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken in solchen Konstellationen Anwendung finden können. Betreiber die in mehreren EU-Staaten aktiv sind stehen daher vor der Aufgabe ihre Angebote an die jeweiligen historischen Verbotslagen anzupassen oder entsprechende Rückstellungen zu bilden.

Zusammenfassung

Das EuGH-Urteil C-440/23 schafft eine einheitliche europäische Linie für die Behandlung von Verlusten aus illegalem Online-Glücksspiel und baut auf der Kölner Entscheidung gegen Tipico auf. Deutsche Spieler erhalten dadurch erweiterte Möglichkeiten zur Rückforderung während unlizenzierte Anbieter mit erhöhtem Haftungsrisiko konfrontiert sind. Die Entwicklung bleibt für die weitere Ausgestaltung des deutschen und europäischen Glücksspielmarktes von Bedeutung.